Kulturflatrate & Creative Commons

Neue Bezahlmodelle und die Freiheit der Kunst 

Volker Grassmuck, Mediensoziologe und Publizist, Berlin 
Oliver Castendyk, Rechtsanwalt, Kanzlei BREHM & v. MOERS, Berlin 
Moderation: Claudia Henne, Radio Berlin-Brandenburg, Berlin


Bezug zur Kulturpolitik

Digitalisierung und Internet relativieren die traditionellen Geschäftsmodelle von Verlegern und Verwertern und machen zugleich eine grundlegende Reformierung des Urheberrechts notwendig. Der Zugriff auf Inhalte ist nun schneller, unkomplizierter und umfassender möglich. Wie die Urheber in Zukunft ihre Rechte geltend machen sollen, ist offen. Kulturflatrate wie die Lizensierung über Creative Commons verstehen sich als Modelle einer zumindest teilweisen Lösung des Problems. Die Kulturflatrate will den Entgelt für die Kreativen über eine Pauschalabgabe regeln. Sie wird – ähnlich den GEMA-Gebühren – zentral erhoben und dann an die einzelnen Rechteinhaber verteilt. Das Verfahren ist seit längerem bei Leerkassetten, CD- und DVD-Rohlingen sowie Kopierern üblich. Creative Commons (CC) bietet dagegen als Non-Profit-Organisation sechs verschiedene Standard-Lizenzverträge zur Festlegung der rechtlichen Bedingungen der Verwertung an. Dabei ist sie selbst weder als Verwerter noch als Verleger von Inhalten tätig: »CC-Lizenzen richten sich als so genannte Jedermannlizenzen an alle Betrachter dieser Inhalte gleichermaßen und geben zusätzliche Freiheiten.« Zugleich stellt sich generell die Frage, ob urheberrechtliche Fragen in Zukunft nicht mindestens teilweise als »Allmende« zu interpretieren sind.

 

 

Ausgangslage – offene kulturpolitische Fragen

Das Urheberrecht wie der Schutz der Urheber sind zentrale Aufgaben der Kulturpolitik. Welche Korrekturen hier notwendig sind, ist umstritten. Die in diesem Bereich agierenden Lobbies haben bereits den einen oder anderen Vorschlag zur Ausgestaltung vorgelegt. Dabei wird zwar stets betont, dass der (kreative/künstlerische) Urheber in Zentrum steht. Doch der Einfluss der Verleger/Verwerter war bereits in der analogen Welt überproportional hoch. Ob die »schöpferische Zentralfigur im Mittelpunkt« bleiben soll, steht noch aus anderen Gründen zur Diskussion. Denn das Verhältnis zwischen Produzenten und Verleger, den Mitbewerbern am Markt wie dem Endnutzer ändert sich durch die digitalen Verhältnisse. Die einzelnen Werke können nicht nur konsumiert, sondern – ganz im Sinne der analogen Collage oder des analogen Patchworks – für das eigene Schaffen verwendet werden.

 

 
 

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