19.04.2011

Wikipedia beerben

Einst wurde die Idee einer freien Enzyklopädie nur belächelt und als Utopie „verspottet“. Zehn Jahre nach dem Start ist Wikipedia mit über 18 Millionen Artikeln in über 200 Sprachen das größte Nachschlagewerk der Menschheitsgeschichte. In dieser Zeit wurde aus der „Vision vom freien Wissen ein völker- und grenzübergreifendes System des Wissensaustausches“ - deshalb soll das Portal „das erste digitale und weltweite Weltkulturerbe werden“, so Wikimedia-Projektleiter Sebastian Sooth. Eine Kampagnenseite ist eingerichtet - inklusive der Möglichkeit, sofort die einschlägige Petition zu unterzeichnen.

Die Initiative, sich bei der UNESCO um die Aufnahme in die Welterbeliste zu bewerben, ging vom Förderverein Wikimedia Deutschland aus. Die Initiatoren erhoffen sich durch die Jubiläumsaktion eine höhere „Wertschätzung für Wikipedianer“ in der Öffentlichkeit und eine „Sensibilisierung und ein Bewusstsein für den richtigen und kritischen Umgang mit Freiem Wissen“. Unabhängig davon, wie sinnvoll die Kampagne ist, wirft sie eine Reihe von Problemen auf. Wikipedia ist ein internationales Projekt mit offiziellen Institutionen in vielen Ländern, die Wikimedia Foundation hat ihren Sitz in den USA. Eine Aufnahme in die UNESCO-Liste können nur Nationalstaaten vorschlagen. Bis es so weit ist, vergehen in der Regel Jahre oder Jahrzehnte. Zwar gehören inzwischen nicht nur der Kölner Dom, Abu Simbel, Brasilia oder die Kulturlandschaft Tokajer Weinregion zu den geschützten Dingen, sondern auch die Französische Küche oder der Flamenco, aber das immaterielle Lexikon erfüllt nicht ohne weiteres alle Vorbedingungen für eine Kandidatur. Auch das Internet als Internet ist hier bisher noch nicht gewürdigt worden.

Probleme

Im Falle Wikipedia ist auch nicht ganz klar, wie das schützenswerte Erbe denn aussehen soll. Eine der UNESCO-Kriterien des Welterbes ist der jeweils gleichbleibende Kern des jeweiligen Objekts. Wikipedia muss sich nach eigenem Verständnis aber stets weiter entwickeln – das betrifft nicht nur die Änderung einzelner Artikel. Till Kreutzer, Mitglied der Deutschen Unesco-Kommission und Netzaktivist, will die Bewerbung unterstützen, sieht allerdings Probleme: „Die Frage ist, ob man den Sprung vom materiellen zum virtuellen Kulturgut hinbekommt." Außerdem soll der UNERSCO-Titel Objekte und Projekte schützen, die in ihrem Bestand bedroht sind. Ist das Wikipedia?

Wikipedia kämpft allerdings seit einiger Zeit mit erheblichen Problemen. Der raue Umgangston unter den Wikipedia-Autoren hat dazu geführt, dass immer weniger Menschen in die Redaktionsarbeit einsteigen und auch dabei bleiben. Es dominiert ein harter Kern erfahrener Schreiber, so eine Wiki- Trend-Studie . Vielleicht bringt schon ein respektvollerer Umgang die „Wertschätzung für Wikipedianer“ befördern und Wikipedia insgesamt weiterhelfen.

 

 

Wikipedia und andere Enzyklopädien und Bibliotheken sind auf dem Kulturpolitischen Bundeskongress Thema von Panel 5, das sich mit „Digitalen Zugängen zum Wissen der Welt“ beschäftigt. Lisbet Rausing, London spricht zum Thema und diskutiert mit Joachim Köhler, Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS, Sankt Augustin, Pavel Richter, Wikimedia Deutschland e.V., Berlin und Ulrich Johannes Schneider, Universitätsbibliothek Leipzig. Moderation:Sigrid Brinkmann, Deutschlandradio Kultur, Berlin. Mehr


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